Die Essenz des Ramadan

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Während wir auf den heiligen Monat Ramadan hinsteuern, beginnen allmählich alle, die unzähligen, völlig überzogenen Pläne und Listen auszupacken, die beinhalten, wie viel man während des Monats an Gottesdienst schaffen muss, wie oft man den Quran lesen möchte, wie viel man maximal schafft, wenn man täglich x Seiten und x Juz‘ liest, etc.

Die meisten von uns versuchen, sich jedes Jahr im Gottesdienst, im Maß des Quranrezitierens zu überbieten, sich jedes Jahr zu „verbessern“ und sich ein wenig mehr zu „bemühen“.

Was uns dabei jedoch oft entgeht, ist die Essenz des Monat Ramadans: Nämlich, dass er der Monat des Qurans ist und somit der Monat derjenigen, die ihre Herzen mit dem Reflektieren der Worte Allahs wiederbeleben; die Seine Worte rezitieren und jedesmal neue Wunder bezeugen; die reflektieren, auf dass sie verstehen und verinnerlichen.

Und wenn wir dies verstehen, dann verstehen wir auch, dass es nicht darum geht, wie oft wir durch den Mus’haf eilen, wie viele Verse wir hinter uns lassen, ohne einen Gedanken an sie verloren zu haben, sondern, wie intensiv wir über sie nachsinnen.
Es kommt nicht darauf an, wie oft du den Quran im Ramadan beendet hast, sondern wie oft du dein Herz wirklich für Allahs Worte geöffnet hast, wie viele Gedanken du in sie investiert hast, wie sehr du dich darum bemüht hast, ihre Tiefen zu verstehen und wie oft sie dich berührt haben, weil es dir nicht darum ging, sie lediglich für den Zweck des Lesens gelesen zu haben.

Also vergiss diese Pläne, die dir vorschreiben, wie viel du an einem Tag gelesen haben sollst, plane dir lediglich deine Zeit gut ein, damit du viel Ibadah und Dhikr machen kannst und lass dich aufrichtig auf Allahs Worte ein.
So wie das Gebet mit vollkommener geistiger Anwesenheit besser ist als das Gebet mit gelegentlicher geistiger Anwesenheit und das Gebet mit gelegentlicher geistiger Anwesenheit besser ist als das Gebet mit völliger geistiger Abwesenheit, so ist das vergleichsweise wenige Quranrezitieren mit Bewusstsein besser als das viele Rezitieren, ohne einen Gedanken an das Rezitierte zu verlieren, denn ersteres durchdringt das Herz, während letzteres lediglich auf der Zunge liegt.

Ramadan in Allahs Worten

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Taraweeh, Kairo

Was man über den Monat  Ramadan wissen muss, was ihn wichtig macht, ist, dass der Quran in ihm herabgesandt wurde.

Für Muslime auf der gesamten Welt muss diese Neuorientierung stattfinden, denn wir assoziieren Ramadan bewusst oder unbewusst mit Hunger und Durst.

Shah’ru ramadan alladhi unzila fihil qur’anu hudan lli nnassi wa bayyinatin mina l huda wal fur’qan [2:185]

Der Monat Ramaḍān (ist es), in dem der Qurʾān als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung. [2:185]

Das ist der Monat, in dem der Qur’an herabkam. Das ist der Monat, in dem sich der Kurs der Menschheit umstellte. Die Karte der Welt änderte sich wegen diesem einen Monat. Milliarden von Leben haben sich umgestaltet; Familien, Abstammungen und Erben haben sich aufgrund diesen einen Monats gewandelt.

Wenn man die Menschheitsgeschichte als ein Leben ansieht, dann ist der Monat Ramadan nicht einmal eine Sekunde, doch er markiert den wichtigsten Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte: Die eine Sekunde, in der sich der Kurs der Menschheit für immer verändert und er verändert sich in viel bedeutenderer Weise als bisher in der gesamten Zeit je geschah.

SubhanAllah, das ist der Monat, den wir erleben. Das ist der Monat, den Allah azza wa jal hervorgehoben hat.

Wenn Allah den Kurs der Zukunft der Menschheit in diesem einen Monat verändern kann, wie viel Veränderung kann er in diesem einen Monat in mein Leben bringen? Wenn dieser eine Monat die Macht hat, die gesamte Welt zu verändern, die gesamte Zivilisation – ich meine, ich denke an die Tatsache, dass einige meiner Ahnen nach Indien zurückführen, einige nach Afghanistan und alle führen tatsächlich auf heidnische Traditionen zurück. Dort waren einst der Buddhismus, Hinduismus, Zoroastrismus oder andere Arten des „…ismus’“. Und wisst ihr was, all diese Ismen haben sich in einem Punkt in unserer Abstammungslinie zum Islam verwandelt?

Und all dies begann wegen diesem Monat. Ich habe heute den Islam wegen diesem Monat. Wir haben heute den Qur’an wegen diesem Monat.

SubhanAllah. Erinnere dich selbst während dieser 30 Tage, warum wir den Ramadan zelebrieren; was so erstaunlich am Ramadan ist.

– Auszug aus „Ramadan in Allah’s Words – How to Approach Ramadan“ Vortrag von Ustadh Nouman Ali Khan, übersetzt von Arghavaan 

Flüchtlinge – Bedrohung für abendländische Werte und Frauenrechte?

Mit der Flüchtlingswelle hat sich eine Debatte um die Wahrung deutscher Werte entwickelt, in der man sich vermehrt antimuslimischer Stereotypen bedient und an Geflüchtete die Forderung stellt, deutsche Werte zu verinnerlichen.

Dabei ist zu beobachten, wie arrogant vor allem auf Geflüchtete muslimischen Glaubens herabgeschaut wird, denn es wird stets zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Asylsuchenden, wobei letztere oftmals als Opfer der muslimischen Geflüchteten dargestellt werden, differenziert.

Neulich sagte mir ein Kommilitone in dem Zusammenhang: „Ich denke mal, dass wir uns beide in dem Punkt einig sind, dass westliche, abendländische Werte besser sind als die von DENEN.“. Gemeint sind muslimische Geflüchtete.

Kaum angekommen, wirft man ihnen ein Grundgesetz und „RefugeeGuide“ an den Kopf, was mehr oder weniger einen Verhaltenskodex darstellt, und suggeriert unterschwellig, dass sie unmoralisch sind und nicht wüssten, wie man sich zivilisiert zu verhalten hat.
Man setzt also voraus, der muslimische Glaube dieser Leute würde sie zu intoleranten Unzivilisierten machen, die Nichtmuslimen gegenüber feindlich gesinnt sind und Frauenrechte missachten und ablehnen.

Besonders stört bei diesen künstlichen Debatten, die meines Erachtens lediglich der Polarisierung und Hetze dienen, dass man islamische Werte kritisiert, sich dabei aber nicht auf die Lehren des Propheten Mohammed stützt, sondern Vorurteile, das Fehlverhalten einiger weniger Muslime und Missstände in Ländern mit großem muslimischen Anteil, als Richtlinie nimmt und diese als „islamische Werte“ etikettiert, aber auch dass muslimische Frauen als unterdrückte, unmündige, unterwürfige Wesen, die dem Willen männlicher Verwandter unterliegen, dargestellt werden.
So wird in den Menschen eine illusorische Angst, Geflüchtete würden bei ihrer Einreise dieses „menschenverachtende Frauenbild“ und diese „unzivilisierten, inhumanen Werte“ importieren, erweckt.

Das ist nicht nur ein Problem für Flüchtlinge, sondern auch für Muslime und für das Bild des Islams in Deutschland, denn damit setzt man unweigerlich den Islam in der Öffentlichkeit mit Unmoral, Rückständigkeit und Unrecht in Verbindung und begünstigt damit antimuslimische Ressentiments und verstärkt die unbegründete Angst, die Anwesenheit von Flüchtlingen muslimischen Glaubens bedrohe die eigene deutsch-christliche Identität.
Angesichts dessen ist es nicht verwunderlich, dass zunehmend Moscheen und Asylunterkünfte von Vandalismus betroffen sind und regelmäßig Muslime, die als solche erkennbar sind, verbal oder physisch angegriffen werden.

Aus diesem Grund möchte ich anhand einiger Beispiele ein besonderes Augenmerk auf die muslimische Frau setzen und Vergleiche zwischen der heutigen „aufgeklärten, emanzipierten Europäerin“ und der vermeintlich „unmündigen, unterdrückten Muslimin“ ziehen.
Dabei sollen die Ehefrauen des Propheten Mohammeds als Frauen des „Religionsstifters“ eine besonders repräsentative Rolle einnehmen.

Die erste Frau des Propheten, Khadija bin Khuwaylid, war eine erfolgreiche, wohlhabende, angesehene Unternehmerin und Kauffrau adeliger Abstammung, in deren Auftrag der Prophet eine Karawane nach Syrien führte.
Von der Vertrauenswürdigkeit, Güte, dem edlen Charakter und guten Ruf Mohammeds, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Offenbarung erhalten hat, entzückt, entschied sich Khadija, die zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Ehen hinter sich hatte, den 15 Jahre jüngeren Mohammed um eine Ehe anzufragen.
Khadija war der erste Mensch, der an die Botschaft Mohammeds glaubte und ihn finanziell und geistig unterstütze. Als sie und Mohammed von den arabischen Polytheisten, die den Propheten Mohammed wegen seines Glaubens bekämpften, boykottiert wurden und kaum Unterhalt für ihre Existenzbedürfnisse erhielten, wich sie, die bislang ein betuchtes Leben führte und mit Armut unvertraut war, nicht von seiner Seite und blieb ihm weiterhin eine große emotionale Stütze.
Das Jahr, in dem Khadija verstarb, wurde wegen der großen Trauer des Propheten Mohammeds als „das Jahr der Trauer“ bekannt.

Aischa Bint Abu Bakr, die der Prophet nach dem Tod Khadijas heiratete, war für ihre Eloquenz, ihr Selbstbewusstsein und Wissen in verschiedenen Bereichen – in der Medizin, Lyrik, Politik sowie Jurisprudenz – bekannt.
Sie eröffnete die erste Schule für das Erlernen islamischer Rechtswissenschaften und Überlieferungen und lehrte sowohl Frauen als auch Männer. Sie war somit gleichzeitig Wissenschaftlerin und Lehrerin.
Nach dem Ableben des Propheten wandte man sich bei Unklarheiten in der Urteilsfindung in der Jurisprudenz an sie, da sie für ihr Wissen und außerordentlich klares Verständnis bekannt war.
Urwah Ibn Zubayr, einer der bekanntesten Überlieferer und Historiographen in der Frühzeit des Islams, sagte über sie, dass es keine Gelehrten unter den Gefährten des Propheten Mohammed gab, außer, dass sie sich Wissen von Aisha aneigneten.

In einer Gesellschaft, in der es verpönt war und als Schwäche erachtet wurde, ein gutes Wort über seine Frau zu verlieren und die Beziehung zur Frau im Wesentlichen aufs Sexuelle reduziert wurde, nannte der Prophet Mohammed nachdem er gefragt wurde, für welchen Menschen er die größte Liebe empfinde, den Namen seiner Frau Aisha.
Auch in seiner berühmten Abschiedspredigt thematisierte er den Sexismus und wies darauf hin, dass „die besten unter euch diejenigen sind, die ihre Frauen am besten behandeln.“ (Prophet Mohammed).
Um zu realisieren, wie revolutionär und bahnbrechend der Prophet Mohammed mit dem Predigen der Vorzüge und Rechte der Frau extrem patriarchale Strukturen aufbrach, einen Umbruch in der Gesellschaft einleitete, das gesamte Frauenbild veränderte und Frauen zur Emanzipation motivierte, muss man sich die Situation der Frau auf der vorislamischen arabischen Halbinsel vergegenwärtigen.
Frauen haben keinerlei Rechte genossen. Sie wurden in der patriarchalen arabischen Gesellschaft von ihren Männern wie Eigentum behandelt, in aller Öffentlichkeit geschlagen und zur Nacktheit gezwungen, wenn sie das Glück hatten, als junge Mädchen nicht lebendig begraben worden zu sein.

Nicht umsonst platzierte der amerikanische Astronaut, Mathematiker und Historiker Michael Hart den Propheten Mohammed in seinem Buch „Die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte“ auf den ersten Platz, denn seine Lehren inspirieren auch nach Hunderten von Jahren Milliarden von Menschen:
So wurde die älteste bestehende Universität der Welt in Fes, Marokko, im 9. Jahrhundert von einer muslimischen Frau eröffnet, während man noch in Europa Hexen verfolgte.
So etwas wäre zur gleichen Zeit in Europa undenkbar gewesen, wenn man bedenkt, dass erste feministische Ideen erst im 17. Jahrhundert formuliert wurden und erste feministische Bewegungen im späten 18. Jahrhundert aufblühten.

Aisha war im 7. Jahrhundert anerkannte Wissenschaftlerin und hat zahlreiche Schüler gelehrt, während Frauen in Deutschland erst Anfang des 20. Jahrhunderts der volle Zugang zu Universitäten ermöglicht wurde.

Khadija hat am Anfang des 7. Jahrhunderts wesentlich mehr verdient als der Prophet und sie verfügte auch über ein größeres Vermögen und doch fühlte er sich durch ihre Errungenschaften und ihren Status weder unterlegen noch in seiner „Männlichkeit“ bedroht.
Und heute müssen wir beschämenderweise im „aufgeklärten“ Europa Debatten über die Einführung von Frauenquoten führen, heute verdienen Frauen selbst mit höherer Qualifikation weniger als Männer, die die gleichen Leistungen erbringen wie sie.

Diese Frauen haben bewiesen, dass man als Frau einen hohen Status in der Gesellschaft einnehmen kann und sie durch seinen Einsatz aktiv und selbstbestimmt mitgestalten kann. Sie haben bewiesen, dass Frauen intellektuelle Wesen sind, die nicht auf ihre Sexualität reduziert werden dürfen.
Diese Frauen waren keine unterdrückten Frauen. Sie waren selbstbewusste Frauen, die mit beiden Beinen im Leben standen, die nicht nur Vorbilder für Musliminnen sind, sondern für alle Frauen.

Wir stellen muslimische Männer unter Generalverdacht, Gewalt an Frauen anzuwenden und vergessen dabei, dass jede dritte Europäerin bereits einmal körperlicher oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt war und die Hälfte von ihnen mindestens einmal sexuell belästigt wurde. In nur rund 9% der angezeigten Vergewaltigungen kommt es in Deutschland zur Verurteilung, obwohl lediglich 10% der Vergewaltigungen angezeigt werden.
Dies demonstriert das allgemeine Desinteresse am Leid der Frau in Europa, das nur dann Beachtung findet, wenn es nicht vom europäischen Mann ausgeht und rassistischen und antimuslimischen Hetzkampagnen Vorschub leistet.
Und wir nehmen uns angesichts dieser Missstände das Recht heraus, andere über Frauenrechte zu belehren und ihnen Frauenunterdrückung, die wir in ihrer religiösen Überzeugung begründet sehen, vorzuwerfen.
Fehlende Frauenrechte, Frauenunterdrückung und extrem patriarchale Strukturen sind kein muslimisches Problem. Das sind Probleme, die völlig unabhängig vom Glauben vor allem in Entwicklungsländern, in denen kein Gewaltmonopol, kein allgemeiner Zugang zu Bildungseinrichtungen existiert und die Mehrheit der Bevölkerung mit Armut und Hunger zu kämpfen hat, aber auch in Schwellenländern und Industriestaaten immer noch verwurzelt sind.
Und wenn sie unter anderem in Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung vorherrschen, kann man immer wieder feststellen, dass sie gerade aus der Nichtverinnerlichung islamischer Werte, aus fehlender islamischer Aufklärung resultieren.
Diese Zustände sind existent und genau sie erinnern an die vorislamische Zeit auf der arabischen Halbinsel, die Zeit der Jahiliyyah (Unwissenheit), aber ihre Existenz in nichtmuslimischen Staaten zu negieren, sie ignorant auf den Islam zurückzuführen und damit das eigentliche Problem zu ignorieren, verstärkt diesen Zustand umso mehr.

Um abschließend auf das eigentliche Thema, nämlich das Dämonisieren „islamischer Werte“, zurückzukommen:
Selbstverständlich muss man Neuankömmlinge in Deutschland mit gewissen Gepflogenheiten vertraut machen. Das ist völlig in Ordnung. Was allerdings nicht in Ordnung ist, ist im Zuge solcher Debatten, Flüchtlingen Unmoral vorzuwerfen und sich antimuslimischer Vorurteile zu bedienen, um ein Feindbild von Muslimen und dem Islam im Allgemeinen zu erschaffen und damit einem friedlichen Miteinander entgegenzuwirken.

Wir in Europa befinden uns keinesfalls in der Position, anderen mit Arroganz entgegenzutreten, sie und ihre Religion zu degradieren und mit ihnen umzugehen, als müssten sie erzogen werden, weil wir ihnen fälschlicherweise vorwerfen, Werte abzulehnen, die selbst hierzulande nicht gänzlich Beachtung finden und umgesetzt werden.

 

Zuerst veröffentlicht auf http://www.huffingtonpost.de/arghvaan-cercis-/fluechtlinge-frauenrechte_b_9832452.html

„…despair not of the mercy of Allah.“ [39:53]

I promise you: you will fall. 

You will fall – not once or twice.
You will fall when you’re feeling high
and you will still fall when you think you’re on your lowest.
You will fall in the less expected moments,
you will fall in the less expected ways –
but you will fall over and over again.

You will fall because you were just created to fall.
But you were also created to catch yourself. You were created to rise again.
In fact, you were created to fall just in order to rise higher and to grow stronger.

This is why Allah told us the story of Iblees and Adam alaihi sallam.
While both fell into sin, Adam alaihi sallam decided to rise again while Iblees didn’t.
They both sinned just as we all do, but the significant difference is how they dealt with their sin.
Adam alaihi sallam let his sin be a cause to come closer to Allah.
In fact, he turned his sin into a blessing.
And so can you. 

~ Arghavaan Cercis, 31.03.2016

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©Steven McCurry, Kashmir

Palästina: “They tried to bury us. They didn’t know we were seeds.”

They tried to bury us. They didn’t know we were seeds.

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Das Bild spricht für sich und ist so charakteristisch für das palästinensische Volk.

Dieses Volk ist so bewundernswert – in vielerlei Hinsicht und ich glaube, dieses Zitat hätte es nicht besser beschreiben können.

Seit Jahrzehnten erleiden sie einen Rückschlag nach dem anderen.
Sie sind ständig mit Verlusten konfrontiert – mit dem Verlust von geliebten Menschen, mit dem Verlust ihrer Existenzen.
Immer nachdem sie beginnen sich von einer Katastrophe zu erholen, erneut eine Existenz aufzubauen, werden sie von der nächsten Katastrophe eingeholt, die nichts als Trümmer und Narben hinterlässt.

Und trotz allem stehen sie immer wieder auf, verlieren ihre Hoffnung und ihr Vertrauen auf Allah nicht.
Und nicht nur das, nein, sie schöpfen aus all den Rückschlägen noch mehr Kraft, sie werden stärker, stärker in ihrem Glauben, stärker in ihrer Entschlossenheit, stärker in ihrer Hoffnung, stärker in ihrem Lebensmut, stärker in ihrem Vertrauen auf Allah.

Doch warum sie? Warum immer wieder das palästinensische Volk?

Erinnerung an Ramadan 2014:

Ihre Heimat wird erneut zur Zielscheibe. Ihre Häuser, Schulen, Krankenhäuser und Moscheen werden zerstört
Eine Bombe folgt der nächsten.
Man möchte sie verängstigen, einschüchtern; man möchte sie aus der Bildfläche verdrängen, ihre Moral brechen.
Man zerstört ihre Gotteshäuser, greift ihre schwächsten Glieder an. Doch was tun sie?
Sie beten gemeinschaftlich in den Trümmern ihres Gotteshauses! Sie brechen gemeinsam das Fasten! Sie zelebrieren in den Trümmern ihrer Häuser Eid!

SubhanAllah. Das nenne ich Würde, das nenne ich Größe, das nenne ich Widerstand.

Darum das palästinensische Volk!

Weil wir vermutlich an diesem Leid zugrunde gehen würden, weil unsere Schultern diese Last nicht tragen könnten.

Sie besitzen die Stärke und Größe derart geprüft zu werden.
Sie verdienen den Lohn und die Ehre, die ihnen dafür zuteil wird.
Das ist kein Zufall. Das ist Allahs Bestimmung.
Genau so wie Bilal Ibn Rabah – ra – nicht nur zum Zweck, die Gleichheit der Rassen zu demonstrieren, auserwählt wurde, als Erster zum Gebet zu rufen;
genau so wie Abu Bakr – ra – nicht aus dem Grund, der Schwiegervater und enge Freund des Propheten – saw – zu sein, auserwählt wurde, in seinen – saw – letzten Lebensmomenten das Gebet zu führen, sondern aus dem Grund, dass SIE gut genug waren, dass sie es sich verdient haben –
aus diesem Grund wurden sie von Allah auserwählt.

Sie werden immer wieder in die Knie gezwungen und sie stehen immer wieder so viel stärker, so viel tapferer, so viel stolzer, so viel entschlossener auf.
Und das ist kennzeichnend für das palästinensische Volk – es gleicht dem Samen, der in neuer Herrlichkeit erblüht, wenn man ihn eingräbt.

Ersehne den Ozean der Ewigkeit

Für dein Schicksal musst du nicht deine Würde aufopfern. Nichts auf dieser Welt erfordert, seine Prinzipien dafür aufzugeben, ohne dass es schlecht für einen ist.

Versuche nicht, die Gunst der Schöpfung durch den Ungehorsam gegenüber dem Schöpfer zu gewinnen.
Versuche nicht, den schwindenden Glanz dieser Erde einzufangen und ihre Herrlichkeiten gegen das Versprechen des Beständigen einzutauschen.

Verspiele nicht den Ozean der Ewigkeit für den Gewinn eines flüchtigen Tropfens.

Opfere nicht deine Akhirah für eine vergängliche Illusion.

Bewahre die Loyalität Ihm gegenüber, so wirst du in der Lage sein, dir selbst und der Schöpfung gegenüber loyal zu bleiben; dir die größte Würde zu erweisen und dir eine blühende Zukunft zu sichern, die deine Vorstellungskraft weit übertreffen wird.

~ Arghavaan Cercis, 04.04.2015

The most beautiful soul.

Every time I remember His (saw) noble features,
Every time I remember His (saw) sublime virtues,
Every time I remember His (saw) generosity,
Every time I remember His (saw) unconditional love for every living creature –
I send blessings upon Him knowing that they will leave my lips and reach His soul.

And every time I remember His (saw) loyalty and compassion,
Every time I remember His (saw) wounds and tears,
Every time I remember His (saw) immeasurable beauty, His pure soul –
My heart longs for Him and I can’t help but fall in love – over and over again.

~ Arghavaan Cercis, 06.01.2016

Unverwundbar

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Steve McCurry

 

 

Manchmal versucht man, sich durch seinen Stolz unzugänglich zu machen und vor dem äußeren Feind zu schützen, aber auch, sich allen Gefühlen und Einflüssen, die einen spirituell schwächen könnten, zu entziehen. Wir versuchen eine schützende Mauer aufzubauen, weil wir fürchten, uns selbst zu verlieren, unsere Prinzipien hinzugeben und zu versagen. Wir bauen Barrieren zwischen uns und unserer Umwelt auf und bewahren eine Fassade, die uns nach außen hin kalt und unantastbar wirken lässt, weil wir glauben, unsere Verwundbarkeit sei eine Schwäche, die es zu verbergen gilt.

Wir täuschen uns allerdings darin, zu glauben, so nicht mehr verwundbar zu sein.

In dieser Beharrlichkeit vergessen wir nämlich, dass wir uns womöglich vor dem äußeren Feind schützen, uns aber gleichermaßen selbst schutzlos ausliefern. Wir können vor dem äußeren Feind flüchten, aber wohin flüchten wir vor dem inneren Feind?

In dieser Beharrlichkeit, in der wir versuchen, uns mit allen Kräften zu halten, liegt der eigentliche Moment, in dem wir uns verlieren.
Denn wir vergessen, dass niemand – kein anderer Mensch – über eine größere Kraft verfügt, uns zu zerstören und zu verletzen, als wir selbst. Wir vergessen, dass unser größter Feind in uns selbst weilt.
Deshalb verlassen wir uns zu sehr auf uns selbst. Wir bauen die Mauer, die uns schützen soll, auf unser Ego auf; benutzen unseren Stolz als Mittel zum Zweck. Und hierin liegt das eigentliche Versagen. Das Fundament ist brüchig und es ist eine Frage der Zeit bis die Mauer einstürzt und uns entblößt.

Wir legen eigenhändig die Steine unseres Scheiterns übereinander, weil wir glauben, in unserem Feind eine treue Stütze gefunden zu haben, weil wir ihn ernähren und damit zu seinem Wachstum und Sieg über uns verhelfen.

So zerstören wir uns wegen unserer Ignoranz – die sich schließlich zur Arroganz transformiert – durch unseren Stolz, der den ursprünglichen Zweck hatte, uns zu schützen.

Zu beschäftigt damit, uns vor der Außenwelt zu schützen, versäumen wir, den Feind in uns zu erkennen und ihm jegliche Nahrung zu entziehen; denn erst wenn es keinen Feind im Inneren gibt, sind wir für den Feind außerhalb unantastbar.

Von Paris bis Kaschmir – wie täglich Welten zusammenbrechen

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07-paris-anschlaege-trauer-weltweit-fsEs ist schön, zu sehen, dass Menschen Empathie für die Angehörigen der Anschläge in Frankreich empfinden.

Es ist schön, festzustellen, dass die meisten scheinbar die Fähigkeit besitzen, sich in andere für einen Moment hineinzuversetzen und die Welt aus ihrer Sicht zu betrachten, die Perspektive zu wechseln; für einen Augenblick nicht nur Zeuge der Schmerzen und des Leides ihrer Mitmenschen zu sein, sondern den selben Schmerz zu spüren und durch die Haut des Anderen zu fühlen.

Ich wünschte, diese Menschen würden auch den Schmerz der Menschen in Afghanistan, in Pakistan, in Somalia, im Jemen fühlen, die durch amerikanische Drohnen, die teilweise auf deutschem Boden gesteuert werden, ihre Liebsten verloren haben.

Ich wünschte, diese Menschen würden den Schmerz der Menschen in Syrien und im Irak fühlen, die durch russische, französische und amerikanische Luftschläge, die überwiegend nicht den IS treffen, ihr Leben geben.

Ich wünschte, diese Menschen würden für einen Augenblick die Welt aus den Augen einer Frau, einer Tochter, eines Sohnes, die ihren Mann, ihren Vater, ihre emotionale und finanzielle Stütze bei einem solchen Angriff, der angeblich „Terroristen“ bekämpfen soll, betrachten und die Frustration und Verzweiflung verstehen, die dieser Verlust verursacht.

Ich wünschte, diese Menschen, würden diese Menschen der Ferne als Menschen, die ebenso fühlen und spüren, wahrnehmen; als Menschen, die Leid und Schmerz empfinden – so wie sie es selbst gelegentlich tun.

Ich verstehe, wenn man als westlicher Bürger mehr Empathie für die Opfer aus Frankreich empfindet – schließlich können sich die meisten mit diesen Menschen eher identifizieren und es besteht aufgrund der geografischen Nähe eine besondere Angst, selbst Opfer eines solchen Anschlags zu werden.

Ich verstehe, wenn ein allgemeines Desinteresse besteht, wenn im Nahen Osten oder in der restlichen Welt Ähnliches vorfällt –
aber ich verstehe nicht, wenn man weiß, dass von den eigenen Regierungen – wenn wir gerade dabei sind, die Welt in Orient und Okzident einzuteilen – Menschen massenhaft außer Gefecht gesetzt und abfällig als Kollateralschäden degradiert werden, man den Opfern dieser fernen Staaten mit einer unglaublichen Arroganz aber vor allem Ignoranz entgegentritt, ihr Leid relativiert, ihre Frustration als übertrieben deklariert, die eigene Schuld an deren Leid ausblendet und sie ablehnt, wenn sie ihrer Miesere entfliehen und Schutz bei uns suchen.

Ob es nun amerikanische Drohnen sind, die es sich zum Ziel gemacht haben, „Terroristen“ zu vernichten, aber zu mehr als 90% die einfache Bevölkerung treffen; französische Bomben als Antwort auf den Anschlag in Paris, die in Raqqa mehr Zivilisten umbringen als IS-Kämpfer; deutsche Chemikalien, die Assad bei seinen Giftgasangriffen auf die syrische Bevölkerung behilflich sind oder russische Luftangriffe, die syrische Regierungsgegner gleichschalten – bei den Opfern handelt es sich nicht um eine leere Phrase – Kollateralschäden – sondern um Menschen wie du und ich, die jedes Leid, jeden Schmerz wahrnehmen, die spüren und fühlen.

Es geht mir in erster Linie nicht darum, Mitleid zu erwecken, sondern vor allem Verständnis für Menschen, die sich nicht länger aufbürden können, in einem Zustand der ständigen Angst zu leben und deshalb Schutz bei uns suchen.

Es geht mir darum, zu veranlassen, dass man sich für einen Augenblick in diese Menschen hineinversetzt, um zu erahnen, wie es ihnen ergeht, wenn sie durch die Umstände gezwungen werden, ihre Heimat, ihr zu Hause zu verlassen und sie gegen die Fremde einzutauschen.

Denn so wie die Paris Anschläge am 13. November unsere Welt erschüttert haben, so wird die Welt dieser Menschen täglich erschüttert – die Regelmäßigkeit dieser Erschütterungen machen sie nicht erträglicher, sondern im Gegenteil: furchtbarer.