Ich bin der Menschen überdrüssig, die ständig in jedem das Negative suchen und jedem abscheuliche Absichten unterstellen; Menschen, die sich am Leid anderer ergötzen, an dem sie vermutlich selbst zugrunde gehen würden; Menschen, die es verweigern, sich in andere hineinzuversetzen und keinerlei Mitgefühl empfinden; Menschen, die alles nur oberflächlich sehen und alles, was ihnen unbequem ist, aus ihrem Blickfeld verbannen; Menschen, deren Herzen durch ihren Hochmut verdorben, verhärtet und leblos sind.

Egal wie irrational sich Menschen in einer bestimmten Lebenssituation verhalten mögen, werde nicht hochmütig und verhöhne sie nicht wegen ihrer Entscheidungen und stelle ihre Absichten nicht in Frage.
Sei dir bewusst – wenn du augenscheinlich glaubst, du seist in deiner Position als außenstehender Betrachter unangefochten und dich könne nicht das Gleiche treffen – dass du mit der gleichen oder einer schlimmeren Situation geprüft werden kannst.

Ich bin jene leid, die anderen selbst dann schlechte Absichten vorwerfen, wenn diese Gutes tun. Ich frage mich, ob diese Menschen denn selbst solch abscheuliche Absichten fassen? Es ist manchmal ungemein schwer, seine eigene Intention festzustellen, wie können dann diese Menschen eine Aussage über das Innere anderer treffen?
Wie Menschen über andere reden und denken, lässt häufig einen Blick in ihr eigenes Wesen zu. Worte, die man über andere verliert – seien sie gut oder schlecht – sind der Spiegel der eigenen Seele.
Jemand, der seine Seele von Schändlichem säubert und sie diszipliniert, ein Muhsin (eine Person mit vorzüglichem Charakter), sieht das Schöne in jeder Seele und behandelt die Menschen mit Güte, weil er ihnen Gleiches wünscht wie sich selbst.
Der schöne Umgang mit den Menschen ist eine Reflexion der Schönheit seiner Seele. Doch das Herz, das mit Hochmut, Boshaftigkeit, Hass und Missgunst gefüllt ist, wird nicht in der Lage sein, das Schöne im Anderen zu sehen, weil in einem Herzen die Schönheit nicht mit der Hässlichkeit koexistieren kann.

So sagt Imam Al-Ghazali rahimahullah:

Nicht alle Menschen sehen – selbst die frommsten, rechtschaffensten und gütigsten Menschen auf die selbe Weise. Einige blicken auf sie mit dem Auge der Anerkennung, andere dagegen mit dem Auge des Missfallens. „Das Auge der Anerkennung ist getrübt gegenüber jedem Fehler, doch das Auge der Missbilligung sieht die Mängel.“ Daher muss sich jeder davor in Acht nehmen, schlecht über andere zu mutmaßen und davor, Menschen übler Dinge zu beschuldigen. Boshafte Menschen denken nicht und wenn doch, dann schlecht über andere. Wenn du nun auf eine Person triffst, die schlecht über andere denkt und nach Fehlern sucht, so wisse, dass dies eine Person ist, die im eigenen Herzen verdorben ist. Der Frevel [solch eines Menschen] liegt im schlechten Denken über andere und dies sickert aus ihm durch. Er denkt über andere nur aus seinem eigenen Standpunkt. Der Gläubige sucht nach Entschuldigungsgründen, der Heuchler sucht nach Fehlern.

(Ihya Ulum ad-din, Buch 21, The Marvels of the Heart, S. 121-122; übersetzt von Aniqa Khan)

~ Arghavaan Cercis

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