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07-paris-anschlaege-trauer-weltweit-fsEs ist schön, zu sehen, dass Menschen Empathie für die Angehörigen der Anschläge in Frankreich empfinden.

Es ist schön, festzustellen, dass die meisten scheinbar die Fähigkeit besitzen, sich in andere für einen Moment hineinzuversetzen und die Welt aus ihrer Sicht zu betrachten, die Perspektive zu wechseln; für einen Augenblick nicht nur Zeuge der Schmerzen und des Leides ihrer Mitmenschen zu sein, sondern den selben Schmerz zu spüren und durch die Haut des Anderen zu fühlen.

Ich wünschte, diese Menschen würden auch den Schmerz der Menschen in Afghanistan, in Pakistan, in Somalia, im Jemen fühlen, die durch amerikanische Drohnen, die teilweise auf deutschem Boden gesteuert werden, ihre Liebsten verloren haben.

Ich wünschte, diese Menschen würden den Schmerz der Menschen in Syrien und im Irak fühlen, die durch russische, französische und amerikanische Luftschläge, die überwiegend nicht den IS treffen, ihr Leben geben.

Ich wünschte, diese Menschen würden für einen Augenblick die Welt aus den Augen einer Frau, einer Tochter, eines Sohnes, die ihren Mann, ihren Vater, ihre emotionale und finanzielle Stütze bei einem solchen Angriff, der angeblich „Terroristen“ bekämpfen soll, betrachten und die Frustration und Verzweiflung verstehen, die dieser Verlust verursacht.

Ich wünschte, diese Menschen, würden diese Menschen der Ferne als Menschen, die ebenso fühlen und spüren, wahrnehmen; als Menschen, die Leid und Schmerz empfinden – so wie sie es selbst gelegentlich tun.

Ich verstehe, wenn man als westlicher Bürger mehr Empathie für die Opfer aus Frankreich empfindet – schließlich können sich die meisten mit diesen Menschen eher identifizieren und es besteht aufgrund der geografischen Nähe eine besondere Angst, selbst Opfer eines solchen Anschlags zu werden.

Ich verstehe, wenn ein allgemeines Desinteresse besteht, wenn im Nahen Osten oder in der restlichen Welt Ähnliches vorfällt –
aber ich verstehe nicht, wenn man weiß, dass von den eigenen Regierungen – wenn wir gerade dabei sind, die Welt in Orient und Okzident einzuteilen – Menschen massenhaft außer Gefecht gesetzt und abfällig als Kollateralschäden degradiert werden, man den Opfern dieser fernen Staaten mit einer unglaublichen Arroganz aber vor allem Ignoranz entgegentritt, ihr Leid relativiert, ihre Frustration als übertrieben deklariert, die eigene Schuld an deren Leid ausblendet und sie ablehnt, wenn sie ihrer Miesere entfliehen und Schutz bei uns suchen.

Ob es nun amerikanische Drohnen sind, die es sich zum Ziel gemacht haben, „Terroristen“ zu vernichten, aber zu mehr als 90% die einfache Bevölkerung treffen; französische Bomben als Antwort auf den Anschlag in Paris, die in Raqqa mehr Zivilisten umbringen als IS-Kämpfer; deutsche Chemikalien, die Assad bei seinen Giftgasangriffen auf die syrische Bevölkerung behilflich sind oder russische Luftangriffe, die syrische Regierungsgegner gleichschalten – bei den Opfern handelt es sich nicht um eine leere Phrase – Kollateralschäden – sondern um Menschen wie du und ich, die jedes Leid, jeden Schmerz wahrnehmen, die spüren und fühlen.

Es geht mir in erster Linie nicht darum, Mitleid zu erwecken, sondern vor allem Verständnis für Menschen, die sich nicht länger aufbürden können, in einem Zustand der ständigen Angst zu leben und deshalb Schutz bei uns suchen.

Es geht mir darum, zu veranlassen, dass man sich für einen Augenblick in diese Menschen hineinversetzt, um zu erahnen, wie es ihnen ergeht, wenn sie durch die Umstände gezwungen werden, ihre Heimat, ihr zu Hause zu verlassen und sie gegen die Fremde einzutauschen.

Denn so wie die Paris Anschläge am 13. November unsere Welt erschüttert haben, so wird die Welt dieser Menschen täglich erschüttert – die Regelmäßigkeit dieser Erschütterungen machen sie nicht erträglicher, sondern im Gegenteil: furchtbarer.

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