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Steve McCurry

 

 

Manchmal versucht man, sich durch seinen Stolz unzugänglich zu machen und vor dem äußeren Feind zu schützen, aber auch, sich allen Gefühlen und Einflüssen, die einen spirituell schwächen könnten, zu entziehen. Wir versuchen eine schützende Mauer aufzubauen, weil wir fürchten, uns selbst zu verlieren, unsere Prinzipien hinzugeben und zu versagen. Wir bauen Barrieren zwischen uns und unserer Umwelt auf und bewahren eine Fassade, die uns nach außen hin kalt und unantastbar wirken lässt, weil wir glauben, unsere Verwundbarkeit sei eine Schwäche, die es zu verbergen gilt.

Wir täuschen uns allerdings darin, zu glauben, so nicht mehr verwundbar zu sein.

In dieser Beharrlichkeit vergessen wir nämlich, dass wir uns womöglich vor dem äußeren Feind schützen, uns aber gleichermaßen selbst schutzlos ausliefern. Wir können vor dem äußeren Feind flüchten, aber wohin flüchten wir vor dem inneren Feind?

In dieser Beharrlichkeit, in der wir versuchen, uns mit allen Kräften zu halten, liegt der eigentliche Moment, in dem wir uns verlieren.
Denn wir vergessen, dass niemand – kein anderer Mensch – über eine größere Kraft verfügt, uns zu zerstören und zu verletzen, als wir selbst. Wir vergessen, dass unser größter Feind in uns selbst weilt.
Deshalb verlassen wir uns zu sehr auf uns selbst. Wir bauen die Mauer, die uns schützen soll, auf unser Ego auf; benutzen unseren Stolz als Mittel zum Zweck. Und hierin liegt das eigentliche Versagen. Das Fundament ist brüchig und es ist eine Frage der Zeit bis die Mauer einstürzt und uns entblößt.

Wir legen eigenhändig die Steine unseres Scheiterns übereinander, weil wir glauben, in unserem Feind eine treue Stütze gefunden zu haben, weil wir ihn ernähren und damit zu seinem Wachstum und Sieg über uns verhelfen.

So zerstören wir uns wegen unserer Ignoranz – die sich schließlich zur Arroganz transformiert – durch unseren Stolz, der den ursprünglichen Zweck hatte, uns zu schützen.

Zu beschäftigt damit, uns vor der Außenwelt zu schützen, versäumen wir, den Feind in uns zu erkennen und ihm jegliche Nahrung zu entziehen; denn erst wenn es keinen Feind im Inneren gibt, sind wir für den Feind außerhalb unantastbar.

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